GERICKE: EUROPA NUR GEMEINSAM ERFOLGREICH GEGEN EBOLA

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regeBrief an Bundesminister: „Patienten vor Ort versorgen – Rückflüge stoppen“ – Prinzip des „stay and play“ / Offizielle Anfrage: EU soll Forschung intensivieren und medizinischen braindrain in Krisenregionen stoppen

STRASSBURG/BERLIN. „Rückflüge europäischer Ebola-Patienten in ihre Heimatländer sind teuer, ineffizient und brandgefährlich“ – sagt Arne Gericke, Europaabgeordneter der Familien-Partei. Im Straßburger Plenum hat er heute schwere Kritik an der „chaotischen Tatenlosigkeit der nationalen Regierungen“ geübt und wiederholt eine koordinierte EU-Strategie gegen Ebola gefordert: „Monatelanges, nationales Herumwursteln hat effektives Handeln verschleppt und die Ebolagefahr in Europa erhöht“, so Gericke. In einem Schreiben an die Bundesminister Gröhe, Steinmeier und von der Leyen fordert der Entwicklungspolitiker in Absprache mit Fachleuten „hochwertige technische Hilfe und Ausstattung in den Krisengebieten statt millionenschwerer Rückflugsversprechen“. Verteidigungsministerin von der Leyen hatte dieses noch letzte Woche gegeben. Gericke plädiert dafür, konsequent das von der WHO empfohlene Prinzip des ‚Stay and Play’ anzuwenden.

„Das Beispiel in Madrid hat gezeigt: Jeder Ebola-Patient, den wir aus den Krisengebieten nach Europa fliegen, ist eine unnötige Gefahr für die Volksgesundheit – und der Vorschlag der deutschen Verteidigungsministerin entsprechend verantwortungslos.“. Rund 1,5 Millionen Euro koste ein Infektions-Rückflug: „Nicht auszudenken, wie viel hochwertiges Material man dafür zum Einsatz in den Krisenregionen anschaffen könnte“, so Gericke. „Es ist schlicht Unsinn, Pflegepersonal in Europa in akute Ebola-Gefahr zu bringen, während geheilte Ebola-Patienten vor Ort die Pflege immun und ohne Ansteckungsgefahr übernehmen könnten. Es braucht dafür nur die entsprechende Ausstattung – und genau die hätte Europa schon vor Monaten liefern sollen!“ Es sei „absolut widersinnig, gerade bei Ebola das von der WHO empfohlene Prinzip des ‚stay and play‘ auszuhebeln.

Europas Tatenlosigkeit, so Gericke, mache ihn zunehmend wütend: „Ich stehe in Kontakt mit Helfern und Ehrenamtlichen von Ärzten ohne Grenzen, German Doctors und anderen Organisationen vor Ort. Sie warnen seit Monaten vor einer Eskalation der Lage – und sie sagen klipp und klar, was sie brauchen: Es fehlt vor Ort an technischen und personellen Kapazitäten zum Aufbau und Betrieb von Isolierstationen und anderer medizinischer Maßnahmen. Europas Staaten haben dieses know-how, sie haben das Personal. Und sie sollten es jetzt einsetzen!“ Von Brüssel nach Sierra Leone, so Gericke, „sind es keine 5000 km Luftlinie. Eine Luftbrücke ist machbar – am besten gemeinsam!“

Gleichzeitig gelte es „über die reine Katastrophenhilfe hinaus zu denken. Machen wir uns nichts vor: Die medizinische Versorgung ist – gerade in den ländlichen Regionen der betroffenen Länder – insgesamt katastrophal. Europa und die Weltgemeinschaft haben es über Jahre verpasst, diese prekäre Schieflage zu verändern.“ Das Konzept der reinen Budgethilfe an Regierungen und nationale Gesundheitsbehörden habe versagt – „dieses Geld bleibt in den Städten – es erreicht nicht die Projekte der Kirchen und anderer Hilfsorganisationen auf dem Land. Hier aber sind die Brennpunkte für Ebola, Malaria, Typhus und viele anderer Infektionskrankheiten. Wir brauchen mehr Geld, das kontrolliert für die Projekthilfe eingesetzt wird!“, so Gericke in einer offiziellen Anfrage an die Europäische Kommission. Geht es nach dem Rostocker Europaabgeordneten, soll die EU „einen Teil der aufgestockten Ebola-Mittel in die Ausbildung von Krankenschwestern, Gesundheits-Sozialarbeiter (community health worker) und Hebammen stecken, gemeinsam mit Hilfsorganisationen dezentrale Ausbildungsstrukturen schaffen und so „medizinischen braindrain aus den betroffenen Gebieten verhindern“. Ebola, so Gericke, „ist doch nur die Spitze des Eisbergs. Es macht mich mehr als betroffen, wenn in Ländern wie Liberia oder Sierra Leone jedes vierte Kind vor dem 5. Geburtstag stirbt und jede achte Frau bei der Geburt verblutet.“ 

Author: FamilienPartei